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7 – Rollen und Verantwortlichkeiten klar dokumentiert

Damit ein Unternehmen als intelligenter Schwarm operieren kann, muss klar sein, wer was macht, wer wofür verantwortlich ist. Dazu gehört auch, wer was nicht macht, weil es außerhalb des Aufgabenfeldes und Verantwortlichkeit liegt. Und all dies muss für alle Beteiligten transparent ersichtlich sein.

Developer, Scrum Master, Product Owner, Business Analyst, Release Engineer, Solution Architect – um nur einige Rollen mit spezifischen Verantwortlichkeiten in einem modernen Unternehmen zu nennen. Was die Personen in den jeweiligen Rollen leisten und wofür sie verantwortlich sind, ist sehr unterschiedlich. Und gleichzeitig arbeiten sie eng miteinander, als intelligenter Schwarm nämlich.

Damit die Schwarmintelligenz möglichst hoch ist, ist es notwendig die soziale Entropie möglichst gering zu halten. Das betrifft Meetings, die Kommunikation zwischen Teams und den Austausch in Teams.
Was ist soziale Entropie?

Eine Art Lärm, die aus einer Mischung aus Ambition, Mitteilungs- und Geltungsbedürfnis erwächst. Niemand ist frei von dieser Mixtur. Weil Ambition und das Bedürfnis sich mitzuteilen und damit sichbar zu werden ganz einfach menschlich sind. Menschen wollen miteinander reden, auch Reden halten, gehört werden und wichtig genommen wollen. Verbaler Austausch ist ein Grundbedürfnis. Doch es gibt einen Unterschied zwischen zielführender Kommunikation im Schwarm, Reden und Gerede. 

Gerede lenkt den Schwarm ab, behindert den gemeinsamen Fokus. Reden ist unterhaltsam, etwa am Kaffeeautomaten, dient der Entspannung und ist somit wertvoll. Ohne zielführende Kommunikation jedoch kein Vorankommen. Lediglich zielführende Kommunikation bringt den Schwarm in sinnvolle Bewegung und damit weiter, denn sie dient der gemeinsamen Navigation.

Ein Beispiel aus der Vogelwelt: Schwärme von Staren bilden Muster in Bewegung am Himmel, die wie von Geisterhand koordinierte Wolken wirken. Tausende von Vögeln, die zu bewegten 3D-Objekten werden, die sich ständig verändern – bis der Schwarm sich plötzlich wo niederlässt.

Wie machen die Stare das?

Ein Leittier initiiert die Bewegung, fliegt aus einem Baum oder dem Gras auf. Sechs bis sieben folgen. Diesen sechs bis sieben folgen je sechs bis sieben in direkter Nachbarschaft (topologische Distanz genannt). So das Prinzip. Schon ist der Schwarm in der Luft. Ein exponentielles System zur Koordination im Raum. Eine intelligente Vektorgraphik, bestehend aus mobilen Bewegungsmeldern, die gleichzeitig Impulsgeber zur Bewegung sind. Zwar gibt es jede Menge Gezwitscher bei all diesen Bewegungen, doch zielführend ist vor allem die Bewegung selbst und damit wahrscheinlich das eigentliche Mittel der Kommunikation zur Bewegungskoordination.

Schwärme von Staren (wie auch manche Fischschwärme) können sich so selbstorganisiert und koordiniert als Schwarm bewegen, weil sie die Entropie beim Schwärmen minimiert haben. Die Rollen und damit auch die Verantwortlichkeiten sind für alle Individuen im Schwarm klar definiert.

Keine Sorge: Dies ist nicht die Aufforderung aus Ihrem Unternehmen einen tierischen Schwarm zu machen.

Doch das Prinzip zu verstehen, ist elementar. Ein Schwarm ist zu Vorgängen imstande, die ein Haufen von Individuen nicht leisten kann. Einen Haufen von Individuen kann man mit Regeln, Befehlen zum Befolgen der Regeln und der Exekution von Befehlen in ein Heer verwandeln, was sich einigermaßen koordiniert in eine Richtung bewegt. Doch diese Bewegung ist zweidimensional. Der Schwarm bewegt sich auf der Grundlage von Prinzipien. Diese Prinzipien werden mit jeder Bewegung validiert und bei Bedarf durch Mikroanpassungen optimiert.

Die Bewegung als Schwarm ist dreidimensional.

Im digitalen Zeitalter der multidimensionalen Abhängigkeiten führt nur die vieldimensionale Bewegung als intelligenter Schwarm zu nachhaltigem Erfolg. Wer das nicht versteht, darf mit Bruchlandungen rechnen.

Das zentrale Tool zur Koordination der vieldimensionalen Bewegung ist zielgerichtete Kommunikation, den jeweiligen Rollen und Verantwortlichkeiten entsprechend. Kern der zielgerichteten Kommunikation ist, dass Kompetenz zu Kompetenz spricht und zwar kompetent über asynchrone Kanäle. Der Austausch am Kaffeeautomaten ist zwar auch asynchron, weil wahrscheinlich nicht als terminiertes Meeting angesetzt, fällt aber in die Kategorie Reden. Reden kann kompetent sein, dient aber vor allem individuellem Wohlgefühl, was zwar wertvoll ist, aber nicht der Schwarmnavigation dient. Gerede findet am besten möglichst wenig statt, denn Gerede ist per se inkompetent. Unter Gerede ist Tratsch und üble Nachrede zu subsumieren, also pure Entropie.

Klare Rollen und Verantwortlichkeiten plus zielführende Kommunikation mindert Entropie und ermöglicht effiziente Selbstorganisation zur vieldimensionalen Beweglichkeit. Diese Beweglichkeit ist in der digitalen Ära von zentraler Wichtigkeit.